Lokale Agenda 2030

Beitrag des Internationalen Frauenzentrums e.V. (ifz)
zur Umsetzung der lokalen Agenda 2030 in Bonn

Das ifz ist ein Agenda-Projekt. Es setzt sich aktiv ein für die Verwirklichung der lokalen Agenda 21 in Bonn. Das ifz entstand 1999 aus dem Engagement deutscher Frauen und Migrantinnen aus dem Ausländerbeirat und dem Agenda-Arbeitskreis „Frauen Eine Welt“. Unsere Arbeit für die lokale Agenda 2030 leisten wir auf verschiedenen Wegen.

1. Das ifz mobilisiert Frauen und schafft Bewusstsein für die Eine Welt

Im ifz werden globale Zusammenhänge und ihre lokalen Auswirkungen erläutert. Bei uns können sich Frauen mit den sozialen und ökonomischen Ursachen von sozialer Ungerechtigkeit und Ungleichheit, Misswirtschaft und Umweltzerstörung auseinandersetzen. Dazu bieten wir ein vielfältiges Programm.

Bereits im ersten Jahr unseres Bestehens, in 2000, organisierten wir gemeinsam mit 13 anderen Organisationen 18 Veranstaltungen anlässlich der Sonderkonferenz Kopenhagen +5. Sie standen unter dem Motto „Bonner Frauen für soziale Gerechtigkeit und Frieden“. Wir haben über die Auswirkungen der Globalisierung auf das Leben der Frauen im Norden wie im Süden berichtet. Themen wie Aids, Krieg und Rüstungsausgaben, Aufenthaltsrechte für MigrantInnen, Stellung der Frau in muslimischen Gesellschaften wurden aufgegriffen. In einer Zukunftswerkstatt widmeten wir uns den drei Themen des Weltsozialgipfels Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung. Daraus entstanden zwei Projekte:

Der Arbeitskreis „Ausbildung statt Abschiebung“ (AsA). Er setzt sich dafür ein, dass junge unbegleitete Flüchtlinge in Bonn eine Berufsausbildung erhalten. AsA, inzwischen ein rechtsfähiger Verein, betreut ausländische Jugendliche individuell und macht Lobby-Arbeit zur Verbesserung ihrer rechtlichen Situation.

Zweites Projekt sind internationale Stadtrundfahrten bzw. Museumsbesuche. Mit diesen informieren wir Neubürgerinnen und vor allem Migrantinnen über das soziale, politische und kulturelle Leben, um ihnen ihre neue Heimatstadt näher zubringen. Dabei entstehende Kontakte tragen weiter zur Integration bei.

Seit 1999 bieten wir amersten Samstag im Monat ein Internationales Frauenfrühstück an. Dabei diskutieren jeweils 15-40 Teilnehmerinnen über vielfältige Themen; sieumfassen Lebensbedingungen von Frauen im Süden wie im Norden.

2. Das ifz unterstützt Kampagnen, die auf Missstände hinweisen und auf die Änderung der Konsumgewohnheiten im Norden hinzielen.

Die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean clothes campaign), die Kampagne von Amnesty International gegen Folter, der Einsatz von Terre des Hommes gegen Kinderhandel und die Rekrutierung von Kindersoldaten – das ifz hat alle diese Aktionen aktiv unterstützt. Wir wollen Bewusstsein schaffen für die Auswirkungen unseres Konsumverhaltens, damit es überall Chancen für nachhaltige Entwicklung gibt.

3. Das ifz setzt sich für eine Kultur des Friedens ein.

Ohne Frieden gibt es überhaupt keine nachhaltige Zukunftsentwicklung. Deshalb haben wir uns im ifz das Motto „Zusammen sind wir stark“ gegeben.

– Unter dem Titel „Krieg am eigenen Leib“ gab es im Jahre 2001 zwölf Veranstaltungen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen ging es in Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Filmen um die Zwangsprostitution von Frauen in bewaffneten Konflikten.  Seit 1998 gilt Gewalt gegen Frauen international als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wie die Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda zu unserem Entsetzen gezeigt haben, ist die Zwangsprostitution von Frauen keineswegs eine Sache der Vergangenheit oder etwas, das nur im weit entfernten, nichteuropäischen Ausland stattfindet.

Das ifz hat in Solidarität mit israelischen und palästinensischen Friedensaktivistinnen zu einer Mahnwache der „Bonner Frauen in Schwarz“ eingeladen. Der Arbeitskreis Israel/Palästina ist entstanden. Er hatte sich das Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit über den Nahost- Konflikt zu informieren sowie Friedensinitiativen vor Ort zu unterstützen. Die Koordination lag damals beim ifz. Inzwischen ist daraus ein eigenständiger Verein entstanden. Das Institut Palästinakunde veranstaltet u.a. das „Café Palästina“. Zurzeit treffen wir am letzten Freitag eines Monats zu einer Mahnwache für einen gerechten Frieden im Nahost.

Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit verschiedenen Partnern eine mehrmonatige Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Frieden stiften – Frauenbeiträge zur Prävention und Lösung von Konflikten“ durchgeführt.

4. Das ifz fördert den Nord-Süd-Ost Dialog

Hauptanliegen des ifz ist die Förderung der interkulturellen Begegnung und die Vernetzung der Organisationen, die in der Frauenarbeit tätig sind. Im ifz können Frauen informell Kontakte knüpfen und an offenen Gesprächskreisen teilnehmen. Es ist erfreulich festzustellen, dass im ifz ein Netz der Solidarität und Verantwortung entstanden ist. Wenn Frauen Beratung suchen, sind Frauen vom ifz bereit, sie zu Ämtern zu begleiten oder andere nötige Hilfe zu leisten.

Wir empfangen Besucherinnen aus Asien, Afrika und Lateinamerika, die über ihre dortige Arbeit berichten und uns zeigen, welche Wege sie gehen und welche Hürden sie überwinden müssen, um eine gerechte Gesellschaft aufzubauen.

5. Das ifz tritt für Empowerment von Frauen ein

Das interkulturelle Bildungsprogramm des Frauenzentrums will Frauen bestärken, sich für ihre Belange aktiv einzusetzen.

Seit über 15 Jahren geben Frauen ehrenamtlich Deutschunterricht.

Wir haben eine Vision und die haben wir mit der Agenda 21 gemeinsam: weltweit muss eine Gesellschaft entstehen, die auf sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit, Achtung der Menschenrechte und des Umweltschutzes gründet und in der wir Menschen in Würde leben können. In vielen Teilen der Welt sind wir noch weit davon entfernt. Auch in Deutschland bleibt noch viel dafür zu tun. Wir wollen unseren Beitrag leisten. Bei der Gründung des ifz waren wir 35 Frauen, heute haben wir ca. 100 Mitglieder und 26 ifz-Netzwerkorganisationen und Kooperationspartner*innen. Gemeinsam machen wir weiter.