ifz - Bildungswerk für Friedensarbeit - FrauenStadtRundfahrt
"Da lohnt es sich doch einmal, dass ich immer so brav in den Deutschkurs gehe" - das sagte eine der Teilnehmerinnen an der ersten Internationalen FrauenStadtRundfahrt, die das Bildungswerk für Friedensarbeit und das ifz am 9. November veranstalteten. Dreißig Frauen lauschten gespannt den Kommentaren, mit denen ihnen im Heimatmuseum Beuel alte Einrichtungsgegenstände und Handwerksgeräte erläutert wurden. In der guten Stube, in Küche und Schlafkammer fand sich vieles, das in der Heimat der Frauen noch heute täglich benutzt wird, während wir diese Dinge aus dem Haushalt unserer Großeltern kennen. Da kam den Migrantinnen und Neubürgerinnen, die der Einladung zum Kennenlernen ihrer neuen Heimatstadt gefolgt waren, dieses Deutschland vielleicht nicht mehr ganz so technisch perfekt und kalt vor... 
In einer Zeit, wo Integration allzu oft mit bedrohlichen Vokabeln als einseitig zu leistende Pflicht eingefordert wird, möchten Frauen in Bonn, egal woher sie kommen, aufeinander zugehen und miteinander ins Gespräch kommen. Gelegenheit dazu bot auch die nächste Station der Stadtrundfahrt, der Botanische Garten hinter dem Poppelsdorfer Schloss. In den wohlig warmen Gewächshäusern gab es Pflanzen zu entdecken, die andernorts fester Bestandteil des Küchenzettels sind. So bekamen wir ‚alten' Bonnerinnen sozusagen im Vorbeigehen ein Rezept für in Bananenblättern gedünstetes köstliches Reis-Curry mitgeteilt. 
Nur wenig Zeit blieb am Ende der dreistündigen Fahrt für einen Besuch bei ‚Pro Familia', wo zwei Mitarbeiterinnen das Angebot zur Familienberatung vorstellten. Die Aufmerksamkeit der Besucherinnen zeigte jedoch, dass hier Probleme angesprochen wurden, die alle Frauen betreffen. Und vielleicht wurden dabei Schwellenängste abgebaut, so dass dieses Hilfsangebot im Ernstfall einmal angenommen werden kann.
Zum Abschluss sassen Alt- und Neubürgerinnen im Vereinscafé des Internationalen Frauenzentrums bei Kaffee, Tee und rheinischem Apfelkuchen beisammen. Spätestens da hatte bei den meisten der aus verschiedenen arabischen Ländern, Brasilien, Spanien, Somalia und Sri Lanka stammenden Frauen das Mitteilungsbedürfnis die Hemmungen wegen vermeintlich zu geringer Deutschkenntnisse besiegt. Viele Migrantinnen führen ein anstrengendes Leben zwischen der Sorge für eine kinderreiche Familie, notwendiger Erwerbsarbeit und den vom Ehemann gern restriktiv ausgelegten heimischen Traditionen. Diese Frauen fühlen sich auch noch nach Jahren in Bonn fremd und isoliert. Ihren Bedürfnissen will das neue Angebot besonders entgegenkommen.
Erleichtert nahmen die Veranstalterinnen den lebhaft geäußerten Dank der Teilnehmerinnen als positives Echo auf diesen Probelauf entgegen. Für diejenigen Frauen, deren Anmeldung im ersten Durchgang nicht berücksichtigt werden konnte, wurde kurzfristig ein weiterer Termin am 22. November angesetzt. Im kommenden Jahr wollen Bildungswerk und ifz die Internationale FrauenStadtRundfahrt regelmäßig anbieten; dafür gibt es bereits eine Warteliste.

Ulrike Vestring, Pressesprecherin ifz