Bericht Podiumsdiskussion am 25.05.00   
Weltsozialgipfel- Vereinbarungen ohne Verbindlichkeit?

"Ich weiß, wovon die Rede ist; schließlich habe ich selbst bis vor kurzem von Sozialhilfe gelebt." Das sagte eine der Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion, zu der das Internationale Frauenzentrum Bonn am vergangenen Donnerstag ins FrauenMuseum eingeladen hatte. "Weltsozialgipfel - Vereinbarungen ohne Verbindlichkeit?" lautete das Thema, und die Rede war von Armut, Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung. Diese drei Probleme hatte der von den Vereinten Nationen vor fünf Jahren in Kopenhagen veranstaltete Weltsozialgipfel als Haupthindernisse des sozialen Fortschritts für alle Menschen ausgemacht. Ob die von den Regierungen vereinbarten Maßnahmen wirklich Erfolg gebracht haben - das soll die Nachfolgekonferenz prüfen, die Ende Juni dieses Jahres in Genf stattfindet. Kopenhagen +5 - für die Frauen vom IFZ ein wichtiges Thema, für das sie mit einer Reihe von Aktionen um Interesse und Engagement werben.

Interesse und Engagement der Bürgerinnen und Bürger oder, wie man heute sagt, die Beteiligung der Zivilgesellschaft, waren denn auch wichtige Stichworte in allen Beiträgen, mit denen sich Vertreter von Bundesregierung und vier Nichtregierungsorganisationen am Podium zu Wort meldeten. Dabei erfuhr das gut fünfzig Personen starke Publikum - auch ein paar mutige Männer waren ins FrauenMuseum gekommen - von Dr.Peter Eisenblätter, Vorstandsmitglied bei Terre des Hommes, Grundsätzliches über Bedeutung und Inhalt des Weltsozialgipfels, während Barbara Unmüßig von WEED, der Bonner Organisation Wirtschaft, Ökologie und Entwicklung auf Globalisierung, Finanzen und Schuldenerlaß einging. Daß über 70 % der in absloluter Armut lebenden Menschen Frauen sind, betonte Astrid Lipinsky von Terre des Femmes. Ja, Armut ist weiblich, nicht nur weltweit, sondern auch hierzulande, sagte die Vertreterin der Weltarmutskonferenz, Erika Biehn. Doch heißt das umgekehrt auch, daß jede Maßnahme zur Stärkung von Frauen ein Schritt zu sozialem

Fortschritt ist - so das Fazit, das die Journalistin Dr.Inge von Bönninghausen zog, nachdem sie anderthalb Stunden lang das Gespräch zwischen der Podiumsrunde und dem Publikum charmant und sachkundig moderiert hatte.

Bonner Frauen für soziale Gerechtigkeit und Frieden - dieses Motto hat sich das IFZ für seine Aktionen zum Weltsozialgipfel gewählt. Und so stand es auch auf der zartrosa-farbenen Ansteckplakette, die die Vertreterin des BMZ in Händen hielt, als sie die Position der Bundesregierung erläuterte. Erst morgens war Dr. Carola Donner-Reichle aus New York zurückgekehrt. In den vielen Diplomatenrunden, die ihr in nächster Zeit in Sachen Weltsozialgipfel bevorstehen, werde sie daran denken, daß es, sozusagen am anderen Ende, Frauen gibt, die sich für das Gleiche engagieren: für die Bekämpfung von Armut, Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung. Frauen in Bonn..

Ulrike Vestring

Pressesprecherin IFZ , Bonn den 26.05.00.