Ergebnisse der Aktionen
"Bonner Frauen für soziale Gerechtigkeit und Frieden"

Unter diesem Motto hat das Internationale Frauenzentrum Bonn vom 29. April bis zum 19. Juni Aktionen zum Weltsozialgipfel Kopenhagen+5 durchgeführt. Sie bezogen sich auf die Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen, die Ende Juni in Genf stattfinden soll. Diese Sondergeneralversammlung ist eine Nachfolgekonferenz des Weltsozialgipfels 1995 in Kopenhagen. In Kopenhagen gab es drei Themen: Bekämpfung der Armut, der Arbeitslosigkeit und der sozialen Ausgrenzung.

Damals hatten sich 117 Regierungen verpflichtet, Armut auf nationaler wie auf internationaler Ebene zu bekämpfen. Es wurden eine entsprechende Erklärung und ein Aktionsprogramm mit 10 Verpflichtungen verabschiedet. In Genf soll es nun darum gehen , die Umsetzung der Beschlüsse in Kopenhagen zu überprüfen und neue Initiativen für die Realisierung der Verpflichtungen zu initiieren. Wir haben festgestellt, dass bei vielen Organisationen und Menschen, die sich sozial engagieren, Unkenntnis über diese wichtige Konferenz herrscht. Die Diskussion darüber scheint sich auf Expertenkreise zu beschränken.

Gemeinsam mit 13 Partnerorganisationen hat das IFZ ein Programm mit 18 Aktionen durchgeführt. Unser Ziel war es, die Bonner Frauen:

  • auf diese wichtige Konferenz aufmerksam zu machen;
  • über die Themenschwerpunkte zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu bieten, selbst aktiv zu werden;
  • gemeinsam Handlungsalternativen und Projektvorschläge zur sozialen Entwicklung zu erarbeiten.

Unter dem Motto 'Bonner Frauen für soziale Gerechtigkeit und Frieden' war unser Hauptanliegen also die Mobilisierung der Frauen in Bonn, damit sie sich mit diesem globalen Thema auseinandersetzen und lokal handeln.

Wir haben Vorträge und Workshops durchgeführt, die die Auswirkungen der Globalisierung auf das Arbeitsleben der Frauen im Norden wie im Süden zum Gegenstand hatten. Themen wie Aids, Kriege und Rüstungsausgaben, Aufenthaltsrechte für Migranten, Stellung der Frau in der muslimischen Gesellschaft wurden diskutiert.

Besonders wichtig war die von uns veranstaltete Podiumsdiskussion mit einer Angehörigen des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die in Genf die Bundesregierung vertritt, sowie Vertretern verschiedener deutscher NROen (Terre des Hommes, WEED, nationale Armutskonferenz, Terre des Femmes Bonn) Dabei wurden die teilweise gegensätzlichen Positionen von Bundesregierung und NROen sowie wichtige Hintergrunds-informationen vermittelt.

Bei zwei Frauenfrühstücken mit den Themen ‚Frauen mit Behinderung‘ und ‚Migrantinnen erzählen ihre Geschichte‘ haben wir uns mit den Aufgaben soziale Integration und Überwindung von Vorurteilen befaßt. In einer Zukunftswerkstatt wurden die Themen Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung vertieft und erste Lösungsansätze erarbeitet.

Aus den verschiedenen Veranstaltungen ergibt sich für uns vor allem eine wichtige Erkenntnis:

Entgegen den in Kopenhagen ausgesprochenen Verpflichtungen haben in vielen Ländern Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung zugenommen. Davon sind auch Menschen in Deutschland betroffen. Ein Beispiel: rund 1,1 Millionen Kinder unter 18 Jahren leben bei uns von Sozialhilfe. Geringes Einkommen führt zu Spannungen und Belastungen, die soziale Auswirkungen haben, z.B. Zunahme der Gewalt.

Gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen zieht das Internationale Frauenzentrum Bonn e.V. aus seinen Aktionen zum Weltsozialgipfel deshalb folgendes Fazit:

  • Die Information über wichtige Weltkonferenzen in ihren Auswirkungen auf Frauen in Bonn ist eine wichtige Aufgabe. Um sie zu erfüllen, braucht das IFZ die weitere Unterstützung der Stadt Bonn.
  • Die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung beginnt auf der lokalen Ebene. Notwendig ist dabei eine Zusammenarbeit vor Ort und ein sozialer Dialog mit den verschiedenen Akteuren ähnlich wie bei der Umsetzung der Lokalen Agenda 21.
  • Die Betroffenen - und wir meinen damit die sozial schwachen Gruppen - sollten bei der Ausarbeitung von Sozialpolitiken in den Kommunen beteiligt werden. Es reicht nicht, die Menschen zum Gegenstand von Untersuchungen zu machen und die Strategien ohne sie zu entwickeln.
  • Die Stadt Bonn sollte die Kultur,- Wirtschafts- und Sozialpolitik im Hinblick auf die Bekämpfung der Armut, Arbeitslosigkeit und sozialen Ausgrenzung überprüfen. Sozialpolitik ist als Querschnittsaufgabe aller Kommunalpolitik zu verstehen.
  • Dazu sollten soziale Mindesstandards auf kommunaler Ebene entwickelt werden.
  • Die Stadt Bonn sollte Flüchtlingen Ausbildungsmöglichkeiten und eine Verbesserung ihres Aufenthaltsstatus (Aufenthaltsbefugnis) einräumen. Die Durchführung des Projektes ‚Ausbildung statt Abschiebung‘ ist in diesem Bereich vorgesehen. (Ansprechpartnerin : Frau Gisela Rubbert).
  • Das Internationale Frauenzentrum wird sich weiterhin für die Gleichstellung der Frauen einsetzen.

In diesem Zusammenhang bitten wir die Stadt Bonn, in der Verwaltung verstärkt Modelle zu praktizieren, die die Teilzeitarbeit fördern z.B. Angebote von Jobsharing. Ein Gendertraining für Mitglieder der Verwaltung ist wünschenswert.

Analog zum Kinderfreundlichkeitspreis der Stadt Bonn, sollte ein Familien-freundlichkeitspreis in Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen initiiert werden. Hauptkriterien sollten dabei familienfreundliche Arbeitszeiten und der Ausbau von Teilzeitarbeit sein.

Das Internationale Frauenzentrum wird sich weiterhin für die Integration von Frauen aus verschiedenen Kulturen einsetzen. Dazu sind zwei Projekte für Frauen der ersten Generation und neue Bonner Migrantinnen entwickelt worden:

  • Kursangebote für Kompetenz in Alltagsfragen
  • Stadtrundfahrten speziell für Migrantinnen.

                 (Ansprechpartnerin : Frau Ulrike Vestring)

Einer der Schwerpunkte unserer Arbeit im Frauenzentrum ist es, Frauen über die Angebote in Bonn zu informieren und sie bei der Suche nach geeigneten Beratungsstellen zu unterstützen. Um diese Aufgaben sachgerecht und kompetent leisten zu können, möchten wir Mitarbeiterinnen und ehrenamtlich im IFZ tätigen Vereinsmitgliedern eine spezielle Fortbildung ermöglichen.

  • Die Gruppe 'Frauen mit Behinderung' haben folgende Forderungen formuliert:
  • Bessere Behandlung in der Medizin: Umfassendere Betreuung von chronisch kranken behinderten Menschen und bessere Versorgung mit notwendigen Verordnungen
  • Bessere Mobilität und leichtere Teilnahme am städtischen Leben durch:
  • Absenkung der Bürgersteige, aber Anhebung der Haltestellen von Bus und Bahn
  • Einsatz von noch mehr Niederflurbussen und- bahnen
  • Mehr bezahlbare, behindertengerechte Wohnungen in zentraler Lage
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Constanza Paetau

Bonn, den 20.06.00