Verliebt sein trotz Sprachbarrieren
Von ANN-KRISTINA RÖNCHEN, 08.02.10, 07:18h

„Nach einem halben Jahr habe ich ihr, mehr schlecht als recht, einen spanischen Liebesbrief geschrieben“, erzählt Harald Mack und schmunzelt. „Ich glaube, es ist...

BONN. „Nach einem halben Jahr habe ich ihr, mehr schlecht als recht, einen spanischen Liebesbrief geschrieben“, erzählt Harald Mack und schmunzelt. „Ich glaube, es ist rübergekommen, was ich sagen wollte.“ Er und seine argentinische Frau Florencia Chretien de Mack sind eines von vielen internationalen Paaren in Bonn. Drei von ihnen kamen gestern Mittag ins Alte Rathaus und erzählten im Rahmen der Reihe „Fremd-vertraut in Bonn. Menschen erzählen“ unter dem Titel „Bützen in Bonn. Verliebt sein am Rhein“ von Vorurteilen, Überraschungen und Unterschieden, die sie im täglichen Hin und Her zwischen den Kulturen erleben. „In Bonn gibt es fünf Prozent gemischt nationale Haushalte, fast jeden Monat haben wir 100 Einbürgerungen“, nennt Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die Fakten, die die Globalisierung der Liebe widerspiegeln. Florencia zog mit 13 Jahren von Buenos Aires mit ihrer Familie nach Bonn, schnell kam sie in Kontakt mit dem Nachbarjungen Harald: „Wir haben zusammen gespielt, die Familien haben sich gegenseitig besucht. Mein Wörterbuch hatte ich immer dabei“, sagt Florencia und grinst bei der Erinnerung. Nach zwei Jahren zieht sie zurück nach Argentinien, einige Jahre später landet sie bei einer Europareise am Bonner Flughafen, wo Harald sie überschwänglich erwartet: „Nach einem ersten Hallo ist es aus mir rausgeplatzt: ,Lass uns heiraten.“
Mit so viel Temperament hatte Florencia nicht gerechnet, das Wörterbuch half ihr aber auch dieses Mal: „Ich musste erst mal nachschlagen, ob ich das wirklich richtig verstanden habe.“ Das hatte sie in der Tat, heute sind die beiden 35-Jährigen verheiratet und bringen ihren Söhnen Benjamin (6) und Juan Martin (3) die ersten Worte Spanisch bei.
Mit Sprachproblemen begann auch die Zweisamkeit von Gundolf Klaehn (26) und seiner peruanischen Frau Lucia Molina Ibáñez de Klaehn (27), die sich auf einem Schulhof in Hamburg kennen lernten: „Er hat so viel geredet, und ich habe nichts verstanden. Stattdessen habe ich einfach nett gelächelt und genickt“, berichtet Lucia, damals Austauschschülerin, von den ersten Treffen.
Das hat anscheinend gereicht, denn heute lebt das Ehepaar in Bonn und ist mit ganz anderen Problemchen konfrontiert: „In Sachen Essen gibt er sich einfach mit Brot und Nudeln zufrieden, und er würzt auch so lasch.“ Das Kochen übernimmt also Lucia, aufräumen ist allerdings Sache des Mannes. „In Peru hatten wir immer eine Hilfe im Haushalt. Mein Zimmer aufzuräumen, war eine Strafe, und das ist es auch heute noch“, entschuldigt sich Lucia.
Mit der Hilfe von Freunden und einigen Vorurteilen starteten Kwasi Glover (36) und seine Freundin Yelitza Infante Perdomo (35) ins Liebesleben. Die Venezolanerin Yelitza erinnert sich an die ersten Kuppelversuche: „Ein Freund fragte mich: ,Willst Du einen Kubaner kennen lernen? Aber alle Kubaner, die ich kannte, gingen fremd. Ich wollte lieber einen Italiener.“ Kurze Zeit später stellte sich raus, dass besagter Kubaner eigentlich aus Ghana kommt und auf beruflichem Weg über die USA, Togo, Mexiko und Kuba in Bonn gelandet war. Und irgendwann dann auch in Yelitzas Herzen.