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Podiumsdiskussion am 15. März 2014 im Haus Mondial, Caritasverband Bonn

Bei ihrem Impulsreferat schilderte Dr. Gisela Burckhardt von FEMNET die katastrophalen Arbeits­be­ding­ungen in der Textilindustrie in den sog. Billiglohnländern, insbesondere in Bangladesch, China und Indien. Der höhere Konsum in den Industrieländern hat dazu beigetragen, dass Arbeitsplätze von Asien nach Afrika gewandert sind, wo noch niedrigere Löhne gezahlt werden. FEMNET unterstützt die Kampagne für Saubere Kleidung. Anhand einer Graphik zeigt Dr. Gisela Burckhard wie sich der Preis eines bei uns erhältlichen T-Shirts aus fair geernteter Baumwolle zum Preis von 29€ zusammensetzt. Dabei machen die Arbeitskosten den geringsten Anteil mit gerade einmal 0,6% des Gesamtpreises aus. Unsere Nachfrage nach günstiger Kleidung und der stetige Anstieg des Konsums an Kleidung stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Situation von Arbeiterinnen, die bis zu 100 Stunden die Woche arbeiten. Ihre Rechte sind eingeschränkt. Im Allgemeinen verfügen die Textilarbeiterinnen weder über eine soziale Absicherung noch wird ihnen ein ausreichender Gesundheitsschutz gewährleistet, sie sind zudem Chemikalien und Staub ausgesetzt. Neben den sozialen Problemen sorgen die schlechten Produktionsbedingungen auch für negative ökologische Folgen, da Textilfarbe ungefiltert in Flüsse abgeleitet wird und ein hohes gesundheitliches Risiko für die Bevölkerung entsteht. Dr. Burckhard plädiert deshalb für mehr Transparenz bei den Herstellern. Nach dem Einsturz einer Fabrik in Bangladesch mit über 1000 Toten haben mehrere Staaten den sog. Bangladesh Fire and Safety Accord abgeschlossen, wobei lediglich die Sicherheit der Fabriken kontrolliert wird doch die Situation der Arbeiterinnen hat sich nicht wirklich verbesser. Wichtige US-Amerikanische Firmen haben jedoch nicht unterzeichnet.

Friedel Hütz-Adams von Südwind stellte den Zusammenhang zwischen der Armut in Entwicklungs­län­dern und der Wirtschaft bzw. Politik in Industrieländern her aufgrund des Handels mit Altkleidern und seiner Folgen. Aufgrund unseres enormen Konsums, gelangt ein hoher Anteil an Altkleidern - mittlerweile in einem recht guten Zustand - auf die Märkte Afrikas und verdrängt die dortige, sofern noch vorhandene, Textilindustrie. Karitative Einrichtungen verkaufen seit der 70er Jahren die gesammelten Altkleider, davon sind weniger als 10% an bedürftige Menschen gegangen. Nach den Recherchen stellte Südwind fest, dass der deutsche Altkleidermarkt intransparent sei. Mit der Wiedervermarktung von guten Kleidungsstücken werden hohe Preise erzielt. Zum einen existiere der teilweise positive Effekt, dass sich arme Menschen bessere Kleidung kaufen könnten. Dies kann als lukratives Geschäftsmodell betrachtet werden, durch das auch die Arbeitsplätze im Altkleiderhandel angestiegen ist. Insbesondere in Staaten, deren Textilindustrie schon vorher durch Misswirt­schaft, Korruption, Streichung von Subventionen und Auflagen durch die Weltbank und des IWF sowie einer mangelnden Kaufkraft unter der Bevölkerung untergegangen ist, können gerade Alt­kleider den Bedarf an Kleidung decken. Die Ursache für die negativen Folgen des Altkleiderhandels sieht Hütz-Adams auch in unserem übermäßigen Konsum an erschwinglicher Kleidung. So entstehen jährlich ca. 9 Kilo Altkleider pro Person. 80 % der neuen Ware kommt aus Asien, d.h. sie wird dort oft unter menschen­unwürdigen Bedingungen hergestellt, um danach als Second-Hand-Ware zu einem Drittel nach Afrika zu gehen. In Afrika selbst werden hingegen nur noch 2% der dort angebauten Baumwolle direkt verarbeitet. Es handelt sich hierbei um ein System des Über­flusses mit in­trans­pa­renten Strukturen und Billigwaren in Handelsketten sowie mit negativen Folgen für die arme Bevölkerung unseres Planeten. Deswegen fordert Hütz-Adams auch mehr Wert­­schätzung ge­gen­über der Kleidung, die wir kaufen. Es sollte außerdem bei der Produktion von Kleidung mehr Transparenz geben und die Altkleiderentsorgung stärker kontrolliert werden.

Saphir Robert machte unter dem Motto „nachhaltig kleiden“ als Journalistin auf die zahlreichen und verschiedenen Label und Siegel auf­merk­sam. Saphir Robert gibt einen kurzen Einblick in die zahlreichen Aktivitäten des Verbandes, der über Internetseiten wie z.B. label-online.de, nachhaltig-einkaufen.de oder oekofair.de, aber auch anhand von Broschüren, Veranstaltungen vor Ort sowie Informationskampagnen über seine Themen aufklärt und Konsumenten dazu motiviert, nachhaltig zu kaufen. Unter dem eigentlich oft überflüssigen Konsum an Kleidung in den Industrienationen leider oft die Qualität, so dass die Faser nicht wieder verwendet werden können. Die Sammlungen – so Saphir Robert - knüpfen an ein bestimmtes Bewusstsein an, das durch die Erfahrungen der Kriegsgeneration geprägt sei. Kleidung wurde damals nicht einfach weggeworfen, sondern auf vielfältige Weise wiederverwendet. Altkleidersammlungen beruhigten hierbei das schlechte Gewissen der Verbraucher, wenn diese ein kaum getragenes Kleidungsstück weggeben. Wegen der globalen Arbeitsaufteilung und der damit verbundenen unterschiedlichen Handels- und Produktionswege entstehe zudem ein Markt, der für den Verbraucher zutiefst intransparent sei. Als positiven Effekt des Altkleiderhandels sieht Saphir Robert jedoch, dass in den afrikanischen Abnehmerländern neue Gewerbezweige wie z.B. Second-Hand-Boutiquen entstünden, die vielen Menschen ein Einkommen sichern. Ein Appell an den Verbraucher sei, seine gebrauchte Kleidung an Freunde oder Second-Hand-Shops weiterzugeben oder sogenannte Kleidertauschpartys zu nutzen. Grundsätzlich sei jedoch der wichtigste Schritt, sein eigenes Kaufverhalten zu überdenken und auf das ein oder andere, eigentlich nicht notwendige neue Kleidungsstück zu verzichten. Schon beim Kauf kann der Verbraucher auf Nachhaltigkeit achten. Dabei helfen unterschiedliche Label und Siegel wie: FairTrade, FairWear, IVN-Naturtextil, Blaue Engel.

Dokumentation: Altkleider und Frauenrechte in Afrika

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